Oh, wie schön ist Paraguay!

Miningfarm, Paraguay

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Als Internet-Enthusiast der ersten Stunde erlebe ich bei Bitcoin in verschiedenster Hinsicht ein Déjà-vu. Wie Mitte der 90er Jahre mit dem WWW kennt meine Begeisterung ob der disruptiven Kraft und dem ungeheuren Potenzial von Bitcoin kaum Grenzen. Im Unterschied zu damals nehme ich dessen Antagonisten heute aber ernst.

Kaum hatte ich verstanden, dass Bitcoin, wie das Web, eine Bottom-up-Bewegung ist, welche bestehende Machtstrukturen erodiert, wollte ich, kraft meiner Möglichkeiten, meinen (bescheidenen) Beitrag dazu leisten, die Idee Bitcoin voranzutreiben. Die Art und Weise, wie sich Medien, Politik und die «legacy» Ökonomie auch heute wieder gegen Bitcoin einschießen, dämpfte meine Begeisterung für diese bahnbrechende Technologie keinen Moment. Da die heutigen Meldungen und Anfeindungen jenen übers Internet von damals aufs Haar gleichen, befeuern sie im Gegenteil meine Motivation, dieses Mal stärker für die Sache einzustehen. Denn analog der Nullerjahre des 21sten Jahrhunderts, während der Internet-Adoption, erkenne ich Tendenzen, die mich befürchten lassen, Bitcoin könnte ein ähnliches Schicksal bevorstehen, wie es das Internet ereilte. Heute wie damals sind Prozesse der Zentralisierung und Plattformbildung zu beobachten, welche mich in starkem Maße beunruhigen. Im Unterschied zu meinen frühen Internetjahren werde ich mich heute aber nicht enttäuscht und desillusioniert hinter meiner Firewall einigeln, sondern den subtilen und offenkundigen Angriffen auf Bitcoin mit den uns verfügbaren Mitteln und Werkzeugen entgegentreten.

Not your Keys, not your Coins. > Not your Node, not your Rules. > Not your Miner, not your Bitcoin.

Gewiss, das Internet ist auch heute in einer gewissen Weise noch dezentral, in den meisten Ländern frei verfügbar und zumindest noch nicht komplett zensiert, aber dennoch entspricht es kaum mehr meinen traumwandlerischen Vorstellungen der 90er. Leider fehlte mir damals die «dystopische» Vorstellungskraft der Cypherpunks, und als sich Plattformen wie Google, Facebook oder Amazon und die Geheimdienste dieser Welt anschickten, die Kontrolle über das durchs Web angestoßene digitale Informationszeitalter zu übernehmen, zog ich mich bald schon desillusioniert aus der Webentwicklung zurück und versuchte bei meinem späteren Web-Konsum möglichst wenig Spuren zu hinterlassen.

Doch dann entdeckte mich Bitcoin! Arbeitskollegen präsentierten mir eine sogenannte «Wallet», in welcher sie dieses Bitcoin hielten, welches sie während der Mittagspause mit Fiatgeld kauften und direkt auf ihr Smartphone transferieren ließen. Als ich verstanden hatte, dass dieser gesamte Prozess vertrauenslos und ohne zentrale Instanz vonstattenging, war es um mich geschehen und ich tauchte direkt in den viel zitierten Kaninchenbau ab. Tausende Stunden später bin ich daraus zwar noch immer nicht aufgetaucht, aber ich versprach mir mittlerweile selber, dieses Mal das mir Mögliche zu unternehmen, um die Idee Bitcoin voranzutreiben und zu verteidigen.

Also verwaltete ich von Beginn weg und streng nach dem Bitcoiner-Ethos meine Sat auf einer eigenen «Cold Storage». Eigenverantwortung ist Trumpf und zentralisierte Plattformen wie Coinbase oder Binance sind mir bekanntermaßen seit ewig suspekt. 

Als uns @Stadicus in einer Podcast-Episode von «seinem» Raspibolt erzählte und das Kredo «Not your Node, not your Rules» rezitierte, studierte ich sein Installationsmanual, besorgte mir einen Raspberry und kon-figurierte mir «die Mutter aller Nodes». Mehr «self-custody» ging zu der Zeit wohl kaum mehr.

Die fünf grössten Mining-Pools verfügen insgesamt über 85% der Hashrate. Alleine Foundry und AntPool zusammen kommen über 50%.

Doch die Zeit, während der ich mich in meiner «Self-Custody-Bubble» in Sicherheit wähnte, war nur von kurzer Dauer. Bald schon zogen dunkle FUD-Wolken auf. Medien, selbst ernannte «Bitcoinkritiker»,  Politiker, die Lost Generation, Greenpeace und Zentralbanken schossen aus allen Rohren auf den Bitcoin-Spatz und prophezeiten uns allen einen durch Bitcoins PoW rasant vorangetriebenen Weltuntergang, währenddessen sich die Hashrate von einem Rekordwert zum anderen emporschraubte. Längst hatten findige Unternehmer das Bitcoin-Schürfgeschäft für sich als sprichwörtliche Goldgrube entdeckt und schlossen sich zu marktdominierenden Mining-Pools zusammen oder zogen, auf der Suche nach gestrandeter Energie, große Rechnerfarmen in Texas und weiteren amerikanischen Bundesstaaten auf. Es liegt mir fern, an dieser Stelle Stimmung gegen Amerika zu machen, auch China ist, trotz wiederholten Verboten, weiterhin dick drin im Miner-Geschäft. Mein Zentralisierungs- und Überwachungsstaatsradar stand ob dieser beunruhigenden Tendenzen jedenfalls auf Anschlag und mein Verteidigungsmodus war aktiviert.

100 Prozent Wasserkraft und Energie im Überfluss.
Neben den oben erwähnten Tendenzen liegen mir aber auch die ganzen Verunglimpfungskampagnen gegen Bitcoin und insbesondere dessen «Proof of Work»-Protokoll schwer im Magen. Denn dieses ist nicht nur von zentraler Bedeutung für das Netzwerk, es birgt sogar durchaus das Potenzial, das weltweite Energiemanagement zu revolutionieren. Wer das vorliegende #21magazin aufmerksam gelesen hat, geht mit mir wohl überein, dass PoW der Schlüssel für eine sauberere und nachhaltigere Energiewirtschaft sein könnte, würde man sich seiner Innovationskraft nicht per se verschließen. Da ich schon immer ein Gespür für Innovationen hatte, ließ ich mich durch die Anleitung zum Bau einer Hausheizung von @Schnitzel inspirieren, mir selber eine solche zu bauen. Weil ich mit diesem Projekt aber nicht vor 2024 starten kann, aber meinen bescheidenen Beitrag zwecks Sicherung des Bitcoin-Netzwerkes bereits gestern leisten wollte, orderte ich Anfang 2023 bei MIM einen S19 Antminer und ließ diesen direkt nach Paraguay verschiffen. Du fragst dich jetzt vielleicht: «Weshalb ausgerechnet Paraguay?» Nun, zum einen ist Paraguay bestimmt ein schönes Land, darüber hinaus steht in diesem zentralamerikanischen Staat aber auch eines der größten Wasserkraftwerke der Welt, welches in Massen günstigen Überschussstrom produziert, insgesamt 385 % (!) des Eigenbedarfs. Mit 77,36 Milliarden KWh versorgt dieses Kraftwerk letztlich die gesamte Bevölkerung Paraguays mit 100 % erneuerbarer Energie. Da fallen die paar Kilowattstunden für meinen ASIC kaum ins Gewicht und Ozeane verdampfen dabei wohl auch keine. Doch diese beindruckenden Kennzahlen waren nicht der alleinige Grund, weshalb ich meinen Rechner vorübergehend im schönen Paraguay nachhaltig für mich arbeiten lasse. Timo von MIM versicherte mir außerdem, dass sich das Mining-Geschäft da erst entwickeln und es deshalb eine valable Alternative für Zentralisierungsphobiker wie mich darstellen würde.

Und wie lüftet’s denn sonst so?
An dieser Stelle hätte ich euch gerne einige Insights gegeben und einen Blick auf mein MIM.Farm-Dashboard gewährt, leider nahm mein Rechner aber aufgrund massiver Lieferverzögerungen erst vor wenigen Tagen seinen Dienst auf. Doch wie der «Rosarote Panther» einst so schön meinte: «Heute ist nicht aller Tage, ich komm wieder, keine Frage.» Denn solltet ihr tatsächlich gerne mehr über meine Erfahrungen mit MIM und mein fleißiges Helferlein im fernen Paraguay wissen wollen, könnt ihr mir dies neu mit einem Magazin-ZAP und Kommentar kundtun. Schubst dazu einfach über unten stehenden QR-Code ein paar Sat rüber und lasst mir über die Kommentarfunktion euer Feedback zukommen.

Wenn du mehr über die PoW-Funktion von Bitcoin erfahren willst, besorgst du dir am besten gleich die Ausgabe zwei vom EINUNDZWANZIG-Magazin.

Falls dir diese Anleitung geholfen hat, freue ich mich über eine kleine Spende und/oder dein Feedback.

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